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Horizontale und vertikale Kommunikation – wie Frauen und Männer anders sind

Um in der Geschäftswelt erfolgreich zu sein, ist es wichtig, die verschiedenen Dynamiken in der Kommunikation zu verstehen, die am Arbeitsplatz eine entscheidende Rolle spielen. Ein solches Konzept ist die symmetrische und asymmetrische Kommunikation. Ein Gleichgewicht der Kräfte, die zwischen zwei Gesprächspartnern gekennzeichnet ist, respektive eine Kommunikation als Ausdruck eines Machtungleichgewichts.


Horizontale und vertikale Kommunikation – wie Frauen und Männer anders sind

Eine bahnbrechende Theorie


Deborah Tannens Theorie über Symmetrie und Asymmetrie wurde erstmals 1990 in ihrem Buch You Just Don't Understand veröffentlicht. Darin erklärt sie, dass Männer bei der Kommunikation eher zu asymmetrischen Gesprächen neigen, während Frauen einen symmetrischen Ansatz bevorzugen.


Hierzu eine einfache Analogie: Männer wählen in der Regel eher den Ansatz des «Berichtsgesprächs» (engl. Original: Report), bei dem beide Parteien abwechselnd Informationen über ihren Tag oder ihre Erlebnisse austauschen und sich gegenseitig berichten. Frauen hingegen tendieren zu einem «Rapportgespräch», bei dem der Schwerpunkt auf dem Aufbau einer Verbindungdurch gemeinsame Emotionen und Erfahrungen liegt.


Um die Kommunikationsdynamik insbesondere zwischen Männern und Frauen in der Arbeitswelt besser zu verstehen, ist es für Führungskräfte wichtig, sich dieses Konzeptes der Symmetrie und Asymmetrie bewusst zu sein. Es ist für beide Geschlechter besonders ratsam, sich damit auseinanderzusetzen, damit ein produktiver Dialog und mehr Gleichberechtigung ermöglicht wird.



Was ist horizontale (symmetrische) Kommunikation?


Peter Modler, der Autor des Bestsellers Das Arroganzprinzip, verwendet in seiner Arbeit anstelle der Bezeichnungen Symmetrie und Asymmetrie die etwas zugänglicheren Begriffe «horizontale und vertikale Kommunikation», welche ich auch für diesen Beitrag benutzen werde.


Die symmetrische Kommunikation, bzw. horizontale Kommunikation ist durch ein Machtgleichgewicht zwischen zwei Gesprächspartnern gekennzeichnet. Das bedeutet, dass beide Parteien gleichermassen in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen und ihre Meinung durchzusetzen, ohne dass sich eine Partei mächtiger fühlt als die andere. In der symmetrischen Kommunikation müssen beide Seiten die Ansichten des anderen berücksichtigen und sich um ein für beide Seiten vorteilhaftes Ergebnis bemühen. Diese Art der Kommunikation ist häufig unter Freunden oder Gleichaltrigen anzutreffen, da eine gleichmässige Verteilung der Macht eine entspanntere Atmosphäre fördert, in der Gefühle offen geteilt werden können. Am Arbeitsplatz kann diese horizontale Kommunikation die Beziehungen zwischen Kollegen verbessern und zu einer besseren Zusammenarbeit bei Projekten führen.


Wie bereits angedeutet, tendieren Frauen mehrheitlich zur symmetrischen, also horizontalen Gesprächskultur. Sie ermöglicht mehr persönlichen Ausdruck und Verbindung zum Gegenüber. Für weibliche Führungskräfte bietet die horizontale Kommunikation eine Plattform für eine eher indirekte Form sich einzubringen, ohne Angst vor Beurteilung oder Kritik und ohne die eigene Person in den Vordergrund zu stellen. Durch die Schaffung eines horizontalen Dialogs sind sie nämlich in der Lage, ihre Anliegen und Perspektiven vorzubringen, ohne sich eingeschüchtert oder untergraben zu fühlen. So können sie sinnvolle Ideen und Einsichten in das Gespräch einbringen, was ein kooperatives Umfeld fördert, das gegenseitigen Respekt und Verständnis begünstigt.



Was ist vertikale (asymmetrische) Kommunikation?

Asymmetrische Kommunikation oder auch vertikale Kommunikation liegt hingegen vor, wenn eine Person mehr Macht hat als die andere oder zumindest durch ihre Kommunikations- und Verhaltensweise diese Macht zu beanspruchen versucht. Diese Art der Kommunikation führt zu einer hierarchischen Beziehung, in der eine Partei in der Regel das Sagen hat, während die andere zuhört und Anweisungen oder Ratschläge befolgt. Am Arbeitsplatz ist diese vertikale Kommunikation zwischen Managern und ihren Untergebenen eher üblich, da sie eine klare Anweisung mit weniger Möglichkeiten für Fehlinterpretationen oder Verwirrung erlaubt. Diese Kommunikationsform jedoch führt zu einem klaren Machtungleichgewicht in der Beziehung.


Ganz anders als bei Frauen sind asymmetrische (vertikale) Gespräche bei Männern viel häufiger anzutreffen, weil sie darin eine Möglichkeit sehen, Hierarchie und Dominanz in bestimmten Gruppen zu etablieren.


Horizontale und vertikale Kommunikation – wie Frauen und Männer anders sind


Horizontale und vertikale Kommunikation: Welche Sprache setzt sich im Konflikt durch?

Die Diskrepanz zwischen der horizontalen und vertikalen Kommunikation kann eine enorme Tragweite mit sich bringen, gerade in Konfliktsituationen. Für weibliche Führungskräfte ist es daher von grösster Bedeutung zu verstehen, worin diese Tragweite besteht. Denn es kann für sie sehr schwierig werden, ihre Meinung zu vertreten und Entscheidungen zu treffen, wenn sie sich in einem vertikalen Umfeld bewegen, in dem ein ungleiches Machtgefüge herrscht. Das Machtungleichgewicht durch den vertikalen Kommunikationsstil kann dazu führen, dass sich Frauen von ihren männlichen Kollegen schnell überrumpelt und nicht ernstgenommen, ja sogar persönlich angegriffen fühlen, was die Wirksamkeit ihrer Führungsarbeit schwerwiegend beeinträchtigen kann.


Wenn eine weibliche Führungskraft einen vertikalen «Angriff» – im Sinne einer Wortunterbrechung, sexistische Bemerkung, abfälligen Kommentar oder unangebrachte Frauenwitze – mit typisch horizontalen Mitteln zu «managen» versucht, sind Ungerechtigkeiten und persönliche Verletzungen vorprogrammiert. Das geschieht vor allem deswegen, weil unsere jeweilige Kommunikationsweise eher bestimmten Gewohnheitsmustern folgt. Wir handeln im Stress tendenziell weniger strategisch. Unsere Kommunikationsweise erliegt viel mehr einem antrainierten Reflex. Und das kann zu sehr vielen Missverständnissen führen, weil wir dann die Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven interpretieren, ohne kurz innezuhalten. Der Reflex entspricht dann dem typischen Verhaltensmuster des jeweiligen Sprachsystems, dem man angehört.


Die horizontale Führungskraft versteht, kennt und fühlt sich besonders wohl in der Sprache der Symmetrie. Was in der Konsequenz bedeutet, dass in diesem System die Dinge aus der Sicht der Gleichheit, Solidarität und Bindung interpretiert werden. Und daher sagt dieses System im übertragenen Sinne: Die Menschen sind gleich und fühlen sich einander gleich nahe.


Die vertikale Führungskraft wiederum interpretiert tendenziell alles durch einen hierarchischen Filter und kann sich deswegen keinen Reim draufmachen, warum man mit politischen Machtspiele ein Problem hat. Das wesentliche Element des Status ist die Asymmetrie und deshalb sagt dieses System im übertragenen Sinn: Die Menschen sind nicht gleich, sie sind in einer Hierarchie unterschiedlich platziert.


Diese sprachlichen Unterschiede führen also unweigerlich zu unterschiedlichen Reaktionsweisen, wie man mit bestimmten Konfliktsituationen umgeht. Dabei wäre es viel sinnvoller, wenn sich beide Seiten mit der jeweils anderen Sprache auskennen würden. Entscheidend ist nämlich die Fähigkeit, zwischen diesen beiden Systemen – horizontal und vertikal – situativ switchen zu können. Moderne Führungskräfte müssen in der Lage sein zu erkennen, wann symmetrische Gespräche notwendig sind, und wann es vorteilhafter sein kann, stattdessen einen asymmetrischen Ansatz zu wählen. Deborah Tannen schreibt dazu in ihrem Buch You Just Don't Understand:


« ... Sowohl Frauen als auch Männer täten gut daran, sich Strategien anzueignen, die typischerweise von Mitgliedern des jeweils anderen Geschlechts verwendet werden – nicht, um ganz umzuschalten, sondern um mehr Strategien zur Verfügung zu haben.»

Welche der beiden Sprachsysteme ist erstrebenswert?

Da die meisten von uns sich nur in ihrem sozialisierten Sprachmilieu auskennen und sich darin sicher fühlen, ist es tendenziell auch schwierig diesen Switch im entscheidenden Moment zu vollziehen und aus der Komfortzone der eigenen Sprachgewohnheit herauszukommen, um da wo es nötig ist, von der horizontalen auf die vertikale Sprache zu wechseln und umgekehrt.


Es liegt auf der Hand, dass die horizontale Sprache einen sehr wichtigen Wert hat und vielen Menschen, besonders weiblichen Führungskräften, ein Bedürfnis ist. Sie ermöglicht nämlich ein grösseres Einfühlungsvermögen zwischen den Teilnehmern, da die Ansichten jedes Einzelnen respektiert und bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. Eine symmetrische Sprache hilft weiblichen Führungskräften auch dabei, bessere Beziehungen zu ihren Kollegen aufzubauen, indem sie ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Verletzlichkeit zu zeigen und Vertrauen aufzubauen. Darüber hinaus können sie dadurch ihr Engagement und ihre Bereitschaft zeigen, sich konstruktiv an Gesprächen zu beteiligen, die zu positiven Ergebnissen für alle Beteiligten führen können.


Aber auch die vertikale Sprache hat ihren besonderen Wert und ist ebenso vielen Menschen ein Bedürfnis, insbesondere männlichen Führungskräften. Auch sie hat ihre Vorteile in bestimmten Situationen. Die eine Sprachform über die andere zu setzen, wäre daher vermessen. Es braucht beide Systeme. Doch egal welchem Sprachsystem man selber zugehörig ist, was jeder von uns sich klarmachen muss, ist dieses:


Je mehr ich mich darum bemühe, mein Bedürfnis nach Gleichheit zu erfüllen, um so mehr verletzte ich damit gleichzeitig und unwillkürlich auch das Bedürfnis jener, die nach Hierarchie streben. Je mehr ich mich darum bemühe, mein Bedürfnis nach Hierarchie zu erfüllen, um so mehr verletze ich damit gleichzeitig und unwillkürlich das Bedürfnis jener, die nach Gleichheit streben. Hat man das einmal verstanden, wird es einfach zu erkennen, wie Nähe und Distanz in der Kommunikation automatisch mit Bindung und Status einhergehen.


Es handelt sich um eine geschlossene Beziehungsschleife. Es ist eine Kommunikationsdynamik aus der keiner von uns ausbrechen kann. Sich nicht an dieser Dynamik zu beteiligen, ist keine Option. Wir können nur lernen, situativ damit umzugehen. Und je mehr ich nun mal über diese Dynamiken Bescheid weiss, umso grösser meine Chance mich zwischen beiden Welten erfolgreich zu bewegen.


Wie alles im Leben, haben auch diese beiden Sprachsysteme ihre ganz eigenen und besonderen Nachteile. Wiegt man diese Nachteile gegeneinander ab, kann das eine zusätzliche Hilfe sein, die «Glorifizierung» des eigenen Sprachsystems ein wenig zu relativieren und dadurch eine etwas nüchterne Betrachtungsweise mit einfliessen lassen. Aber dazu mehr in diesem Beitrag: Passive Aggressivität am Arbeitsplatz.


Konstantes Training und kontinuierliche Aufklärung

Das bedeutet also, damit weibliche Führungskräfte effektiv arbeiten können, sich Respekt und Gehör verschaffen, müssen sie sich ständig dieser horizontalen und vertikalen Dynamik in Gesprächen bewusst sein. Dazu gehört es, das Machtgefälle zwischen zwei Gesprächspartnern zu verstehen und auf nonverbale Signale und Verhalten zu achten. Darüber hinaus ist es wichtig, subtile Anzeichen von Dominanz in ihren Gesprächen zu erkennen, damit sie sicherstellen können, dass ihre Meinung nicht von der eines männlichen Gesprächspartners überschattet wird, falls dies erforderlich ist.


Beide Kommunikationssysteme – horizontal und vertikal – haben wie bereits gesagt, ihre Vor- und Nachteile. Wer jedoch beide Sprachen beherrscht, ist in jedem Fall klar im Vorteil.


Hier setze ich mit meinen Seminaren an und biete weiblichen Führungskräften die Möglichkeit, diesen besonderen Switch praxisnah zu trainieren. Damit Frauen in der Führung im Ernstfall nicht in eine Lähmung geraten, wo es ihnen die Sprache verschlägt, sie sich blossgestellt, überrumpelt, beleidigt oder nicht ernstgenommen fühlen. Diese Trainings zielen darauf ab, Frauen mehr Handlungs-Optionen zu geben, was sie in einem Konfliktfall mit einem Mann im geschäftlichen Kontext tun können, um ihre Souveränität aufrechtzuerhalten und gleichzeitig ihre Durchsetzungsstärke zu demonstrieren.


 

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