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Und täglich grüsst das Murmeltier – eine mögliche Entscheidungshilfe für dein Leben


«Wir leben in einem System, in dem man entweder Rad sein muss

oder unter die Räder gerät.»

Friedrich Nietzsche


Und täglich grüsst das Murmeltier – eine mögliche Entscheidungshilfe für dein Leben

Dein Leben ist die Summe all deiner Entscheidungen. Manchmal triffst du bessere Entscheidungen, manchmal schlechtere und manchmal triffst du gar keine Entscheidung – was auch eine Entscheidung ist. Denn, ob wir wollen oder nicht, das Leben zwingt uns zu entscheiden. Entscheidungen sind Teil des Programms, Teil der Simulation, Teil des Schicksals. Sie sind Teil des Spiels, das wir alle spielen müssen.



Das Leben als ein Spiel verstehen


Ganz gleich, welche Lebensphilosophie du vertrittst, wir alle greifen – bewusst oder unbewusst – auf ein System aus Annahmen, Glaubenssätzen und Überzeugungen zurück, um unserem Leben und unseren Entscheidungen Sinn und einen Bezugsrahmen zu geben.


Und falls jetzt jemand an dieser Stelle der Meinung ist, dass das Leben keinen inhärenten Sinn hat, mag damit richtig oder falsch liegen, unabhängig davon ist die «Perspektive der Sinnlosigkeit» trotzdem nur eine weitere Form dem Leben einen Sinn zu geben. Weil auch die Sinnlosigkeit eine bestimmte Sichtweise auf das Leben darstellt und somit die Art und Weise beeinflusst, wie man sein Leben interpretiert, gestaltet und seine Entscheidungen trifft.


Es ist wie die Figur Bagger Vance, in der Verfilmung von Steven Pressfields Roman The Legend of Bagger Vance, sagte: «Life’s a game that can’t be won, only played.» (Leben ist ein Spiel, das man nicht gewinnen kann, nur spielen).


Und das schliesst auch all jene mit ein, die keinen Sinn in diesem Spiel sehen.


Die Geschichte von Bagger Vance (gespielt von Will Smith) ist eine Anlehnung an Krishna aus der Bhagavad-Gita ist. Denn die Bhagavad-Gita lehrt, dass das Leben und seine Herausforderungen Teil eines grösseren kosmischen Spiels sind, in dem unser Handeln ein zentrales Thema ist. Krishna ermutigt in der Gita den Helden Arjuna, seine Pflicht zu erfüllen, ohne an den Ergebnissen seiner Handlungen zu haften. In dieser Tradition steht auch die Figur Bagger Vance, der als spiritueller Führer für den Golfer Rannulph Junah wirkt. Ähnlich wie Krishna in der Bhagavad-Gita, begleitet Bagger Vance Junah durch persönliche und spielerische Krisen, indem er ihm lehrt, im Einklang mit seinem inneren Selbst zu handeln und die Ergebnisse seiner Aktionen loszulassen – ein Prinzip, das tief in der Bhagavad-Gita verankert ist.


In dieser Lehre spiegelt sich die Idee wider, dass das Leben ein Spiel ist, das man nicht gewinnen kann, sondern nur spielen. Es ist ein Aufruf, das Leben aktiv und mit vollem Einsatz zu erleben, dabei aber nicht vom Streben nach Erfolg oder der Furcht vor Misserfolg beherrscht zu werden. Jede Aufgabe soll mit Leidenschaft und Hingabe angegangen werden, ohne sich zu sehr darum zu sorgen, wie die Dinge letztendlich ausgehen.


Und täglich grüsst das Murmeltier – eine mögliche Entscheidungshilfe für dein Leben

Eine solche Philosophie setzt allerdings ein gewisses Vertrauen in eine höhere Ordnung oder dem Göttlichen voraus. Es basiert auf der Erkenntnis und der Akzeptanz, dass das Universum und das Göttliche nach Prinzipien operieren, die über das unmittelbare menschliche Verständnis hinausgehen.


Für manche kann das durchaus eine inspirierende Herangehensweise und Interpretation für das Leben sein, für andere jedoch qualmt hier bereits der Rauch von zu vielen Räucherstäbchen.


Und da wir uns bei solchen Themen niemals einig sind, einigen wir uns doch zumindest darauf: Dass das Leben ein Spiel ist, dass wir nicht gewinnen, sondern nur spielen können.



Die ewige Wiederkehr oder täglich grüsst das Murmeltier


Wie aber kann man gute Entscheidungen in einem Spiel treffen, das wir nicht gewinnen können?


Hier kommt das Murmeltier ins Spiel.


Und täglich grüsst das Murmeltier – eine mögliche Entscheidungshilfe für dein Leben

Der Gedanke, dass das Leben ein Spiel ist, das man nur spielen kann, ohne dabei zu gewinnen, hat eine sehr starke Resonanz mit Nietzsches Philosophie der ewigen Wiederkehr – allerdings auf eine etwas andere Weise.


Nietzsche dachte über die Unendlichkeit der Zeit nach und die begrenzte Anzahl von Ereignissen, die in der Welt passieren können. Er stellte sich eine Welt vor, in der – wenn genug Zeit vergeht – jede mögliche Kombination von Ereignissen wieder und wieder auftreten würde. Diese Vorstellung führte ihn zu der radikalen Idee, dass unser Leben sich unendlich oft wiederholen könnte, genau so, wie es ist. Für ihn war das nicht nur ein physikalisches oder metaphysisches Konzept, sondern auch eine tiefgreifende persönliche Herausforderung: Er fragte sich nämlich, wie wir unser Leben leben würden, wenn wir es immer wieder leben müssten.


Eine solche Vorstellung, das eigene Leben unendlich oft zu wiederholen, klingt im ersten Moment sehr ernüchternd – für manche vielleicht sogar wie ein Albtraum. Wer den legendären Filmklassiker mit Bill Murray gesehen hat Und täglich grüsst das Murmeltier, hat einen kleinen Vorgeschmack davon bekommen.


Und täglich grüsst das Murmeltier – eine mögliche Entscheidungshilfe für dein Leben

Doch denkt man diese Idee von Nietzsche ernsthaft weiter, so macht als Methode zur Entscheidungsfindung durchaus Sinn.


Denn für Nietzsche diente die Vorstellung der ewigen Wiederkehr als Massstab für das Leben. Gerade weil der Gedanke an eine ewige Wiederholung desselben abschreckend ist, fordert er uns auf, so zu leben, dass wir den Gedanken an eine unendliche Wiederholung unseres Lebens bejahen könnten.


Mit anderen Worten: Nietzsche wollte, dass wir unser Leben so gestalten, dass wir glücklich wären, es unendlich oft zu wiederholen, was uns in der Konsequenz dazu anregt, unser Bestes zu geben, um ein Leben zu führen, auf das wir stolz sein können.


In der Theorie klingt das vorerst einmal interessant. Aber wie soll so etwas in der Praxis aussehen?



Die ewige Wiederkehr als Entscheidungshilfe in der Vorschau


Diese Vorstellung mag für einige bereits jetzt schon viel zu abstrakt sein, weswegen sie sich spätestens an dieser Stelle hier verabschiedet haben. Für andere hingegen kann sie als Entscheidungshilfe durchaus zu mehr Klarheit führen.


Stell dir als Beispiel einfach mal vor, du stehst vor der Entscheidung, deinen sicheren, aber unerfüllten Job zu kündigen, um deiner Leidenschaft für die Kunst nachzugehen. Wenn du Nietzsches Prinzip der ewigen Wiederkehr als Entscheidungshilfe anwendest, fragst du dich: Würde ich wollen, dass diese Entscheidung und ihre damit verbundenen Folgen unendlich oft in meinem Leben wiederkehren? Wenn der Gedanke daran, mutig deiner Leidenschaft zu folgen und ein authentisches, wenn auch unsicheres Leben zu führen, dir ein Gefühl der Zufriedenheit und des Stolzes gibt, dann wäre das ein starkes Argument, diesen Weg zu wählen.


Nietzsches Ansatz fordert dich auf, Entscheidungen zu treffen, die deinem Leben Bedeutung und Freude verleihen, sodass du, wenn du hypothetisch vor der Möglichkeit stündest, dein Leben immer wieder zu leben, das auch mit Begeisterung tun würdest.



Die ewige Wiederkehr als Entscheidungshilfe in der Rückschau (nur für Fortgeschrittene!)


Jetzt können wir zusätzlich mit diesem Ansatz einen Schritt weiter gehen und in eine noch tiefere Reflexion abtauchen. Denn während wir zuvor nach vorne geschaut haben, machen wir nun das Umgekehrte: Wir schauen zurück.


(Achtung: Mindfuck Alert!)


In der Annahme, dass dein Leben eine unendliche Wiederholung desselben ist, bedeutet das in der logischen Konsequenz, dass die Entscheidung, die du jetzt treffen musst, du in der Vergangenheit schon einmal getroffen hast. Also kannst du dich jetzt fragen: Was habe ich daraus gelernt und wie beeinflussen diese Erfahrungen und Lektionen meine jetzige Entscheidung?


Diese Frage stellt eine besonders anspruchsvolle geistige Übung dar, weil sie von dir nicht nur ein tiefes Verständnis für die zyklische Natur des Lebens und der Entscheidungen verlangt, sondern auch die Fähigkeit, über die Grenzen der linearen Zeit hinaus zu denken.


Die Vorstellung, dass jede Entscheidung, die du jetzt triffst, bereits in der Vergangenheit getroffen wurde, fordert dich heraus, die Konzepte von Zeit, Erfahrung und Lernen neu zu bewerten. Damit begibst du dich in einen Raum jenseits des gewöhnlichen Bewusstseins, in dem du Zugang zu Einsichten und Weisheiten hast, die über das unmittelbar Erlebte hinausgehen. Das zwingt dich, deine aktuellen Entscheidungen nicht nur auf der Basis dessen zu treffen, was du explizit weisst oder gelernt hast, sondern auch unter Berücksichtigung einer tieferen, intuitiven Verbindung mit deinen Erfahrungen über die Zeit hinweg.


Zudem verlangt diese Reflexion, dass du eine Art von Selbstbewusstsein und Selbstkritik entwickelst, die weit über das Alltägliche hinausgeht. Du musst in der Lage sein, deine eigenen Entscheidungsprozesse, deine Werte und deine Lernmechanismen kritisch zu hinterfragen. Du fragst dich nicht nur, was die beste Entscheidung ist, sondern auch, wie die wiederholte Konfrontation mit dieser Entscheidung dich als Person formt und verändert.


So etwas erfordert eine bemerkenswerte geistige Flexibilität und Offenheit, die Fähigkeit, sich selbst und das Leben aus einer radikal anderen Perspektive zu betrachten.


Dich auf eine solche Reflexion einzulassen, kann dich auf ungeahnte Weise zu Ideen und Gedanken führen, die du vielleicht nicht hast kommen sehen und die du dann für weitere Überlegungen berücksichtigen, und in deinen Entscheidungsprozess mit einbeziehen kannst.


Nietzsches Ansatz hilft dir, Entscheidungen zu treffen, die nicht nur im Moment sinnvoll sind, sondern langfristig auch dazu beitragen, ein Leben zu formen, das du in Anbetracht der ewigen Wiederkehr, immer wieder mit Freude, Begeisterung und ohne Bedauern leben würdest.



Die ewige Wiederkehr als Spiegel für Schmerz und Wachstum


Die Auseinandersetzung mit Nietzsches Idee der ewigen Wiederkehr bietet aber nicht nur eine Perspektive für inspirierende oder lebensverändernde Entscheidungen, sondern fordert uns auch heraus, die unvermeidlich schmerzhaften Aspekte unseres Lebens zu betrachten. Solche Momente des Verlustes, des Scheiterns, oder tiefgreifender Enttäuschungen erscheinen im Licht der ewigen Wiederkehr als Prüfsteine unserer Existenz.


Und täglich grüsst das Murmeltier – eine mögliche Entscheidungshilfe für dein Leben

Nehmen wir mal an, du durchlebst eine besonders schwierige Phase, vielleicht einen tiefen persönlichen Verlust oder eine berufliche Niederlage, die dich an den Rand der Verzweiflung bringt. Nietzsches Gedankenexperiment lädt dich dazu ein, auch diesen Moment unter dem Aspekt der ewigen Wiederkehr zu betrachten: Würdest du bereit sein, diesen Schmerz, diese Herausforderung, unendlich oft zu erleben?


Meine spontane Antwort darauf wäre instinktiv «Nein», denn welches krankes Gehirn wünscht sich schon freiwillig Schmerz und Verlust? Das geht völlig gegen unsere Natur.


Aber ich erinnere daran, dass wir nicht nur ein Spiel spielen, das wir nicht gewinnen können, sondern wir auch ein Spiel spielen, dessen Regeln wir nicht mitbestimmen. Also besteht die erste Herausforderung für uns darin, diesen Umstand einfach mal zu akzeptieren.


Aber diesen Umstand nur zu akzeptieren, dass reicht Nietzsche nicht.


Die Idee dahinter ist, dass selbst in den schmerzhaftesten Erfahrungen ein Wert, eine Lektion oder ein Wachstumspotenzial verborgen liegt. Und wenn wir bereit sind, diese Momente als integralen Bestandteil unserer Existenz zu akzeptieren, können wir eine Form der inneren Stärke und Resilienz entwickeln, die weit über die unmittelbare Situation hinausreicht.


Aber damit allein hat es sich noch nicht.


Der wesentliche Unterschied zwischen einer üblichen Reflexion und Nietzsches Idee der ewigen Wiederkehr liegt in der Tiefe und der Perspektive, mit der wir unsere Erfahrungen betrachten.


In der herkömmlichen Reflexion, die sich vermutlich bei den meisten von uns automatisch aus einer schwierigen Situation ergibt, suchen wir oft nach Wegen, um aus diesen Situationen zu lernen oder sie zu überwinden, mit einem Fokus auf Wachstum oder Veränderung für die Zukunft. Mit dem Ziel, ähnliche Herausforderungen in der Zukunft zu vermeiden oder besser zu bewältigen.


Nietzsche hingegen legt hier noch eine Schippe oben drauf.


Sein Konzept der ewigen Wiederkehr fordert uns auf, auch jede schmerzhafte Erfahrung stets unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, dass wir sie unendlich oft wiedererleben würden. Seine Perspektive zwingt uns, den innewohnenden Wert und die Bedeutung jeder Erfahrung zu erkennen, und zwar nicht nur als etwas, das es zu überwinden gilt oder aus dem zu lernen ist, sondern als etwas, das wesentlich und unzertrennbar mit unserem Leben verbunden ist. Es geht ihm dabei nicht darum, nur zu überlegen, wie wir Dinge in der Zukunft anders machen könnten, sondern darum, jede Erfahrung so tief zu bejahen, dass die Vorstellung ihrer unendlichen Wiederholung nicht abschreckend, sondern bereichernd oder sogar wünschenswert ist.


Mit anderen Worten, dass du den Schmerz deiner Niederlagen und Verluste, nicht nur lernst hinzunehmen, sondern sogar auch noch mit Begeisterung annimmst, im vollen Bewusstsein, dass diese notwendig und unzertrennbar mit allen anderen Aspekten deines Lebens verbunden sind.


Eine solche Haltung verlangt eine radikale Akzeptanz des Lebens in all seinen Facetten und führt zu einer tiefgreifenden Wertschätzung des Augenblicks und unserer Existenz. Anstatt Erfahrungen als blosse Hindernisse oder Lektionen zu sehen, die es zu überwinden gilt, betrachten wir sie als essentielle Bestandteile unseres Seins, die uns formen und definieren.


Durch die Anwendung von Nietzsches Idee der ewigen Wiederkehr auf unsere Reflexion über Herausforderungen und Schmerzen erweitern wir unseren Horizont der Selbstbetrachtung. Wir werden angehalten, nicht nur nach dem «Warum», dem «Was» oder dem «Wie» zu fragen, sondern auch das «Was, wenn immer wieder» zu berücksichtigen, was uns zu einer tieferen und umfassenderen Annahme unseres Lebens führt, in all seiner Komplexität und Schönheit.



 

« ... Meine Formel für die Grösse am Menschen ist Amor Fati:

dass man nichts anders haben will, vorwärts nicht, rückwärts nicht, in alle Ewigkeit nicht.

Das Notwendige nicht bloss ertragen, noch weniger verhehlen, sondern es lieben ... » Friedrich Nietzsche



 

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