Status gestaltet Deine Wirkung

Wenn ich in meinen Seminaren den Begriff Status in die Runde werfe und dazu vermerke, dass jeder von uns an Statusspielen teilnimmt, so gibt es immer wieder Leute, die daraufhin den Impuls verspüren, so etwas gleich von sich zu weisen. Sie lassen dann den Rest der Gruppe schnell wissen, dass sie selbst an Status nicht interessiert seien.

Eine solche Reaktion liegt vermutlich einfach nur daran, dass der Begriff Status in diesem Zusammenhang oftmals etwas missverstanden wird. Denn tatsächlich ist ja gerade eine solche Reaktion – so etwas von sich zu weisen – bereits ein Beleg dafür, dass man an einem Statusspiel teilnimmt.

Allgemein verstehen viele unter dem Begriff Status, das was jemand besitzt, bzw. wer jemand ist. Sprich: Welche Stellung oder Position eine Person in der Gesellschaft einnimmt. Das ist sicherlich eine Form von vielen unterschiedlichen Statusspielen. Doch wenn es um kommunikative Wirkung geht, um Statuskompetenz, dann reden wir vor allem über den psychologischen Status. Und dieser hat nichts damit zu tun, wer jemand ist, sondern was jemand in einer gegebenen Situation tut.


Mal oben, mal unten.

Status beschreibt ein soziales, vorübergehendes Machtgefälle zwischen zwei oder mehreren Menschen. Es ist die Art und Weise, in der jeder seinen eigenen persönlichen Wert zu anderen Personen in Beziehung setzt. Diesen Status kann man unablässig aus den Verhaltensweisen der einzelnen Beteiligten ablesen.

Wir passen unser Verhalten unserem Gegenüber und der Situation ständig an – zuhause in den eigenen vier Wänden genauso wie im Job. Wir alle spielen dieses Spiel mit, bewusst oder unbewusst. Keiner kann sich dem Statusspiel entziehen. Status ist immer und allgegenwärtig, in allen Lebensbereichen und in unterschiedlichen, gesellschaftlichen Schichten wahrnehmbar.

Der psychologische Status unserer Persönlichkeit kommt dabei in zwei Zuständen daher: Hochstatus oder Tiefstatus. Mit anderen Worten: Man ist seinem Gegenüber unter- oder übergeordnet.

Keith Johnstone vergleicht in seinem Buch «Impro» das Spiel zwischen Hoch- und Tiefstatus – dass alle Menschen ständig und überall spielen – mit dem Prinzip der Wippe: «Ich gehe rauf und du gehst runter». Wenn wir auf jemanden treffen, so verhandeln wir genau über diese Position. Ob man sich dessen bewusst ist oder nicht. Es geschieht in jedem Fall. Und jeder beherrscht dieses Spiel mehr oder weniger gut.  

 

Dein Motiv entscheidet über Deinen Status.

Der Gedanke, sich jemandem unter- oder überzuordnen, missfällt erst einmal vielen. Ergo, distanziert man sich gerne davon und will nichts damit zu tun haben. Man weist das von sich und tut solche Statusspiele eher als «niedere Psychospielchen» ab. Aber wie bereits eingangs erwähnt, gerade diese Haltung ist schon eine aktive Beteiligung am Statusspiel. Wer nämlich so denkt, setzt seine eigenen Werte über die der anderen und geht damit in eine moralisch übergeordnete Stellung (Hochstatus) in Relation zu den «anderen» (Tiefstatus).  

Das Entscheidende ist jedoch das Motiv, unsere Absicht, mit welcher wir uns auf unser Gegenüber einlassen. Denn es ist diese Absicht, die letzten Endes unseren Status bestimmt. Ob wir uns in einer bestimmten Situation und einem bestimmten Menschen gegenüber unter- oder überordnen, hat vor allem damit zu tun, wie wichtig für uns das entsprechende Thema oder die Situation ist.

Hierbei bieten sich uns nur zwei Möglichkeiten. Ich versuche mich bei meinem Gegenüber durchzusetzen (Dominanz) oder aber ich passe mich an (Unterordnung). Anders gesagt: Ich gehe in den Konflikt oder aber ich gebe dem Frieden zuliebe nach.

Je mehr ich mich durchzusetzen will, umso wahrscheinlicher spiele ich auf Hochstatus. Je mehr ich mich anzupassen gedenke, umso mehr gehe ich in den Tiefstatus.

 

Dein Status gestaltet Deine Wirkung.

Wer sich durchsetzt, bekommt eher was er will. Dessen Stimme wird gehört, dessen Ideen und Pläne werden umgesetzt. Das hierfür nötige Verhalten schafft einerseits Respekt, andererseits jedoch verliert man damit Sympathiepunkte. Denn Menschen, die sich ständig durchsetzen wollen, sind meist nicht sehr beliebt. Wer sich hingegen unterordnet und nachgibt, zeigt ein eher harmoniestiftendes Verhalten. Man meidet den Konflikt, wodurch man Sympathiepunkte gewinnen kann, allerdings verliert man dadurch an Respekt.

Will ich also eher Respekt einfordern (Distanz) oder eher Sympathie (Nähe) gewinnen? Genau dieses Motiv entscheidet über Deinen Status. Und dieser Status gestaltet Deine Wirkung.

Es macht daher kaum Sinn, sich mit Wirkung auseinanderzusetzen, ohne sich dabei auch über den eigenen Status stets im Klaren zu sein. Denn während Dein innerer Status eher durch Dein «Warum» bestimmt wird, so gestaltet das, was Du dabei tust, Deinen äusseren Status, bzw. Deine Aussenwirkung.
 

Woran Status erkennbar ist.

Der Mercedes vor der Haustüre, die Patek Philippe am Handgelenk, die Bottega Veneta Handtasche am Arm, das Firstclass-Ticket für den Interkontinentalflug, all diese Dinge können entsprechende Statussignale aussenden. Das sind klassische Status-Symbole, die von manchen Menschen gezielt eingesetzt werden, um ein entsprechendes Image nach Aussen zu tragen.

Die Autoren von «Status-Spiele», Tom Schmitt und Michael Esser, bezeichnen diese Statussymbole als «Statusverstärker». Eine sehr passende Bezeichnung, wie ich finde. Denn diese Symbole sind tatsächlich bloss Verstärker, nicht mehr und nicht weniger. Sie sagen noch nichts über den psychologischen Status aus, den diese Leute situativ einzunehmen imstande sind.

Tom Schmitt und Michael Esser erklären in ihrem Buch 4 unterschiedliche Statuskomponenten. 4 mögliche Verhaltensmuster, die jeweils zu Statusveränderungen führen:

  • Fremdherabsetzung (Ich mache den anderen schlecht)
  • Selbsterhöhung (Ich stelle mich selber besser dar)
  • Selbstherabsetzung (Ich mache mich selber schlecht)
  • Fremderhöhung (Ich stelle den anderen ins positive Licht)

Diese 4 Verhaltensmuster machen sich natürlich anhand unterschiedlicher verbaler Aussagen und nonverbaler Botschaften bemerkbar. Verhält sich unser Gegenüber eher verlegen, selbstbewusst, entschlossen oder unsicher? Verhaspelt sich die Person? Hat sie eine hohe verbale Dichte? Werden viele und lange Sätze benötigt, um einen einfachen Umstand zu schildern, oder kommt man eher prägnant auf den Punkt? Drückt sich mein Gegenüber verständlich oder kompliziert aus? Verfällt die Person womöglich einem Demutsreflex? Weicht mir mein Gegenüber aus, um einen Konflikt zu vermeiden? Sieht man eher das Problem oder die Lösung? Fasst sich jemand häufig ins Gesicht? Presst er ständig die Lippen zusammen? Kann er den Augenkontakt halten? Wie bewegt sich jemand durch den Raum? Wirken die Bewegungen eher hektisch und fremdbestimmt, oder selbstbestimmt, gemächlich und gelassen?

All diese Dinge erkennen wir auf Anhieb. Wir erkennen sofort, ob sich jemand in der eigenen Haut wohl oder unwohl fühlt. Und genau dieses Verhalten vermittelt uns den Status unseres Gegenübers.
 

Es geht nicht darum nur im Hochstatus zu sein.

Jede Unterhaltung lebt von dieser Transaktion zwischen Tief- und Hochstatus. Man darf jetzt jedoch nicht den Fehler begehen, zu glauben, es gehe dabei nur darum, stets Hochstatus zu spielen. Nein! Gute Statusspieler verstehen es nämlich besonders gut, entsprechend ihrer Rolle, zwischen Hoch-und Tiefstatus gekonnt zu wechseln.

Eine Chefin beispielsweise, die auf dem Papier per se einen höheren Status einnimmt als ihre Mitarbeitenden im Team, kann innerlich einen hohen Status beibehalten und trotzdem äusserlich einen tieferen Status anspielen, indem sie beispielsweise jemanden aus ihrem Team ins positive Licht stellt (Fremderhöhung).

Aus der Statusperspektive ist Wertschätzung im Grunde genommen nichts anderes als eine Fremderhöhung. Gerade das verleiht der Person eine gewisse Empathie, zu erkennen, wann, was sinnvoll und angebracht ist.

Je besser jemand diese Statusmechanismen versteht und auch beherrscht, mit welchen verbalen und nonverbalen Mitteln man sich einen Statusvorteil erarbeitet, umso effektiver kann man Situationen zum erwünschten Ziel führen. Und dazu ist es eben nicht nötig, immer Hochstatus zu spielen. Im Gegenteil. Menschen, die permanent dominant auftreten wollen, können gerade deswegen auch einfach manipuliert werden. Sie kennen nur diesen einen Hochstatus. Das macht sie so berechenbar und einfach steuerbar.
 

Die drei grossen Status-Spiele. 

Wer trotz allem immer noch davon überzeugt ist, dass er oder sie selbst diese Statusspiele nicht mitspielt, kann es mal auch von der folgenden Warte aus sehen.

Will Storr, Autor von «The Status Game», unterscheidet in seinem Buch drei grossen Spielarten, bei denen wir alle unsere Statusspiele spielen:

Dominance Games (Dominanzspiele),
Virtue Games (Tugendspiele) und
Success Games (Erfolgsspiele oder auch Kompetenzspiele)

Bei Dominanzspielen wird hoher Status durch Angst erzwungen. In Tugendspielen wird der hohe Status an jene Spieler vergeben, die sich auffallend pflichtbewusst, gehorsam und moralisch verhalten. In Erfolgs-/Kompetenzspielen wird der hohe Status für das Erreichen genau festgelegter Ergebnisse vergeben, die über das einfache Gewinnen hinausgehen und Fähigkeiten, Talent oder Wissen erfordern.

Dabei ist wichtig zu verstehen, dass diese drei nicht als strikt in sich geschlossene Kategorien darstellen. Oftmals handelt es sich eher um eine Mischform dieser drei. Eines davon wird jedoch immer etwas prominenter vorhanden sein, wie eine bestimmte Geschmacksnote in der Suppe, und somit unser persönliches Statusverhalten entscheidend beeinflussen.

In jedem Statusspiel, das wir mitspielen, haben wir einen Ruf. Und dieser Ruf ist aus der Sicht der anderen Mitspieler im Detail ganz unterschiedlich. Wir existieren in diesen Köpfen in ganz unterschiedlicher Tiefe und auch in unterschiedlichem Mass an Gerechtigkeit. Wann immer also andere Menschen an uns denken, werden sie unseren subjektiven Status mit ihren eigenen Statusinformationen «überschreiben». Sind wir aus ihrer Sicht fair oder unfair? Moralisch oder unmoralisch? Wie fühlen sie sich in unserer Gegenwart? Fühlen sie sich geliebt oder gehasst? Bewundern oder bemitleiden sie uns? usw.

Wir alle haben immer nur eine verzerrte Wahrnehmung unseres Gegenübers. Niemand kennt uns wirklich, wie wir sind. Nicht einmal wir selbst. Wir nehmen nur das war, was der Augenblick, die Situation, die Rolle und das damit verbundenen Statusverhalten uns offenbart. Damit arbeiten wir. Manchmal verlieren wir und manchmal gewinnen wir. Es ist wie William Shakespeare in seinem Bühnenstück Wie es euch gefällt uns wissen lässt:

«Die ganze Welt ist eine Bühne und Fraun wie Männer nichts als Spieler. Sie treten auf und gehen ab danach.»


_____________________________________

Wenn Du mehr über Statusverhalten lernen willst, so empfehle ich Dir dazu meinen Onlinekurs Status beherrschen 

Close

Jetzt anmelden!

Gehöre zu den Ersten, die GRATIS-Know-how, Blogs und Sonderaktionen direkt in die Mailbox erhalten.