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Weniger Produktivität, mehr Impact bitte.

Mar 07, 2021

Ich mag Content-Marketing.

Ich mag Produktivität.

Produktivitäts-Hacks sind schon seit längerem voll im Trend.

Ich schaue mir gerne YouTube Videos von Leuten wie Thomas Frank, Matt D’Avella, Tim Ferriss und anderen an. Dabei habe ich viel gelernt und so einiges übernommen.

Doch nicht alles hat sich auf die Dauer durchgesetzt bei mir. Ich habe mehr Produktivitätstechniken wieder aufgegeben, als ich beibehalten habe.

 
Impact vs. Produktivität

Ich schreibe täglich. Ich verfasse Texte, produziere YouTube Videos und Onlinekurse. Das sind für mich hochintensive und zeitraubende Aktivitäten. Doch alles in allem bin ich mit meiner Produktivität ganz zufrieden.

Allerdings habe ich mittlerweile eine gewisse Abneigung gegen das Wort Produktivität entwickelt.

Die Gefahr ist gross, dass man vor lauter Produktivität mehr Quantität statt Qualität entwickelt. Mehr Müll liefert, statt Wert produziert.

Wir gehen immer mehr in die Breite und weniger in die Tiefe.

Wir wissen sehr wenig über sehr viel.

Es überrascht beispielsweise nicht, dass jemand wie der Amazon-Gründer Jeff Bezos grossen Wert darauf legt, dass seine Manager gut schreiben können. Denn aus seiner Sicht bedeutet gut schreiben zu können, nicht nur die Fähigkeit zu besitzen, klar zu kommunizieren, sondern vor allem auch in der Lage zu sein, komplexe Probleme in ihrer ganzen Tiefe richtig durchdenken zu können.

Bezos hat bereits vor vielen Jahren PowerPoint aus seiner Firma verbannt. Das hatte mehrere Gründe. Aber vor allem weil er weiss: Schreiben macht dich nicht nur schlauer sondern auch überzeugender.

Seiner Meinung nach braucht es zwei besondere Zutaten, wenn ein Mensch schwierige Skills wie das Schreiben meistern möchte.

Die erste Zutat:
Man muss selber fähig und in der Lage sein, überdurchschnittlich hohe Qualität erkennen zu können.

Viel wichtiger jedoch ist die zweite Zutat, welche Jeff Bezos 2007 in einem Brief an seine Aktiengesellschafter folgendermassen erklärte:

«Wenn eine Manager-Memo nicht gut geschrieben und nicht überzeugend ist, dann liegt das meistens nicht daran, dass der jeweilige Verfasser nicht in der Lage wäre, überdurchschnittlich hohe Qualität zu erkennen, sondern eine falsche Erwartung bezüglich seines Lieferumfangs hat. Solche Leute glauben tatsächlich, dass ein 6-seitiges Dokument in wenigen Stunden, einem oder zwei Tage verfasst werden kann. Wenn doch tatsächlich eine oder sogar mehrere Wochen dafür notwendig sind.

Die besten Manager-Memos sind die, welche zuvor mehrere Versionen durchlaufen haben, bevor sie die Kollegen überhaupt zum ersten Mal für ein Feedback zu Gesicht bekommen. Und selbst nach diesem Feedback lässt sich der Manager danach nochmals Zeit mit dem Memo, um dann mit frischen Gedanken das erworbene Feedback neu umzusetzen und in seinen Text einfliessen zu lassen. Ein sehr zeitintensiver Prozess … »

In der Tat: Hohe Qualität braucht Zeit. Denken braucht Zeit. Denken ist Knochenarbeit.

Das hat Konsequenzen für jeden Content-Creator.

Was ist besser?
100 Videos produziert zu haben, die sich kaum einer anschaut oder doch lieber nur ein Video mit Herzblut erstellen, das wenigstens von einer Handvoll Leute bis zum Schluss gesehen wird?

Was ist besser?
1000 Bücher verkauft zu haben, die lediglich in einem Regal Staub ansammeln oder lieber nur ein Buch verkauft zu haben, das Impact hatte und das Leben eines Menschen positiv verändert hat?

Das ist nämlich das Problem:
Produktivität sagt nichts, aber wirklich gar nichts über Impact aus.

Verkaufsstatistiken, Likes, Views und Produktivitätszahlen sind messbar und sind eindeutige Werte, ja. Aber diese Ergebnisse sagen nichts über die wahre Auswirkung Deiner Arbeit aus. Welche Leben Du berührst. Welche Kettenreaktionen Du damit auslöst. Welchen Einfluss Du wirklich hast.

Produktivität bedeutet nicht automatisch mehr.
Mehr ist nicht gleich mehr.
Mehr ist erst einmal nur eine erhöhte Frequenz, aber nicht unbedingt besser.

Aber weniger wird auch nicht automatisch besser, nur weil es weniger ist.
Weniger bedeutet einfach mehr Zeit zu investieren, um zu versuchen, das Wenige etwas besser zu machen.

Es ist wenig hilfreich, viel Zauberei zu zeigen und wenig Magie zu bieten.
Es ist wenig hilfreich, unnötig viel Rauch zu erzeugen, wenn am Ende die Sicht dabei verloren geht.

Wovon willst Du also wirklich mehr? Produktivität oder Impact?

Die meisten wollen mehr Geld.

Aber dazu später mehr.


Sklaven des Algorithmus

Henry Miller sagte einmal, wer schreibt, will gelesen werden.

Ich sage, wer gelesen werden will, muss posten.

Und der Social Media Algorithmus sagt, wer posten und Leute erreichen will, muss regelmässig posten, muss viel posten, muss an bestimmten Tagen und zu bestimmten Uhrzeiten posten, mit bestimmten Inhalten und bestimmten Worten posten und noch unter diesen und jenen Bedingungen posten und dies und das auch noch berücksichtigen.

Nichts gegen solche Einschränkungen. Ich begrüsse Einschränkungen. Einschränkungen fördern ja schliesslich die Kreativität, wie jeder weiss.

Aber das bedeutet auch, will man in der heutigen Zeit tatsächlich ein Publikum erreichen, dann muss man besonders produktiv sein. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern konstant.

Und will man ganz nebenbei auch noch das Leben anderer Menschen positiv beeinflussen, dann sollte das Ganze in einer gewissen Qualität daher kommen.

Was kein Problem ist, wenn man die nötigen Ressourcen dafür hat.

Und da kommt jetzt die Frage:
Wie soll man denn mit weniger mehr bewirken, wenn diese Ressourcen nicht zur Verfügung stehen, der Algorithmus so anspruchsvoll ist und man trotzdem eine grosse Anzahl Menschen erreichen will?

Viele von denen, die diese Ressourcen heute haben, hatten sie selber zuvor auch nicht. Sie haben sie sich erarbeitet. Und sie haben sie sich vor allem dadurch erarbeitet, in dem sie wenigen Menschen viel geboten haben. Für weniger Menschen mehr getan haben. Die richtigen Leute beliefert haben. Das passende Ziel gepflegt haben. Und mit wenig Hokus Pokus ganz viel Magie gezaubert haben.


Geduld ist bitter

Nicht nur deswegen posten, weil es im Kalender steht. Nicht nur deswegen posten, weil man sich vor den Konsequenzen des Algorithmus fürchtet. Nicht nur deswegen posten, weil man Angst hast, in Vergessenheit zu geraten. Sondern nur dann posten, wenn das finale Produkt auch wirklich etwas taugt. Weil du dir sicher bist und dahinter stehen kannst, dass es das Beste war, was du zu diesem Thema hast liefern können.

Nochmals: Qualität braucht Zeit.

Zeit, die heute nur wenige bereit sind, zu investieren. Denn Zeit bedeutet Geduld und diese Geduld ist eine immer seltener werdende Tugend im Zeitalter der «instant gratification».

Stattdessen suchen wir das Hintertürchen. Wir wollen die Abkürzung. Wir wollen mehr Produktivität. Aber nicht weil es besser ist, sondern weil es einfacher ist.

Hier einen Blogartikel, da einen Podcast, dort noch ein YouTube Video. Ach ja, da war noch was: Instagram und Facebook und Snapchat und TikTok und …

Natürlich kann das eine gangbare Strategie sein. Funktioniert leider nur sehr selten. Und wenn, dann nur kurzfristig mit einem Burnout als Quittung oben drauf.


Lerne das Spiel zu lieben

Zum Zeitpunkt dieses Textes, habe ich auf meinem YouTube-Kanal 888 Followers. Das ist wahrlich nicht sehr viel, verglichen mit der Zeit, die dazu nötig war.

Vielleicht ist mein Content schlecht oder einfach nicht das, was die Leute wollen. Vielleicht aber liege ich ganz falsch mit dieser Annahme. Vielleicht liegt es an meinem Akzent. Vielleicht aber liegt es auch nur daran, dass der Algorithmus meine Vorgehensweise nicht begünstigt. Oftmals ist es ja ein bisschen von allem. Wer weiss?

Viel wichtiger ist für mich die Erkenntnis, dass diese Zahl wächst. Zwar langsam aber dafür konstant. Und mit dieser Zahl wächst ebenso konstant die Qualität meiner Videos.

Meine persönliche Lernkurve und Entwicklung ist für mich nachvollziehbar. Und weil diese Lernkurve klar erkennbar ist, habe ich Freude am Prozess meines eigenen Wachstums entdeckt.

Ich spiele dieses Spiel, weil ich diesen Prozess zu lieben gelernt habe. Alles andere wäre für mich sinn- und fruchtlos.

Ach ja?
Und was ist mit dem Geld?


Wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein

Es ist nämlich so:

Jeder, der Content-Marketing betreibt, will nur eines: Aufmerksamkeit (Ich auch).

Wer Aufmerksamkeit will, will auch nur eines: Geld (Ich auch).

Es ist daher schon ein wenig heuchlerisch, wenn sich gewisse Leute manchmal selbstlos darstellen und was davon labbern, dass es ihnen in erster Linie nur darum ginge, mit ihrem Content «Mehrwert» für andere zu schaffen.

Nein.
Das ist Bullshit.
In erster Linie wollen wir Geld. Geld. Geld.

Die Gleichung ist ganz einfach:
Content = Aufmerksamkeit = Geld (hoffentlich).

Gratis-Content funktioniert langfristig nur dann, wenn am Ende auch etwas dabei rauskommt. Kostenlosen Content zu produzieren ist nicht immer nur Love, Peace and Happiness. Es ist eine Investition. Und wie das halt so ist mit Investitionen, 9 von 10 Investments gehen den Bach runter. Man muss also sehr produktiv sein, um überhaupt auf das richtige Pferd setzen zu können.

Aber eben: Weniger ist manchmal mehr.

In meinem persönlichen Fall dient mir mein kostenloser Content dazu, um meinen Expertenstatus zu festigen. Ich hoffe darauf, dass die Leute damit etwas anfangen können und neugierig werden. Ich hoffe, dass sie beeindruckt sind. Freude haben, schlauer werden, sich unterhalten fühlen und sich ihr Leben in irgend einer Weise dadurch ein klein wenig verbessert.

Ich baue Vertrauen damit auf. Meine zukünftigen Kunden sollen mich kennenlernen und eine Verbindung zu mir aufbauen. Dazu dürfen sie mich ausbuhen, auspfeifen, mich mit Tomaten bewerfen und mich beschimpfen, mir applaudieren, mich in Weihrauch hüllen und mit Lobeshymnen besingen, solange sie nur am Ende meine Onlinekurse kaufen oder mich als Trainer buchen.

Nicht gleich. Nicht sofort. Aber bald. Hoffentlich. Dann, wenn sie mich so oft gelesen, gesehen und gehört haben, dass sie von mir träumen.

Und um eben dieses zu erreichen, ist es wichtig, mit weniger mehr produktiv zu bleiben.

Mehr Impact zu liefern, weniger Ausschuss produzieren.

Lieber einmal auf einen Beitrag verzichten. Weil man etwas länger damit braucht. Weil man den Text besser machen will. Weil man seinen Lesern wirklich etwas mehr bieten will.

«Weniger ist mehr». Ein wahrlich historischer Satz.

Es muss einen guten Grund dafür geben, dass ein so völlig bescheidener, harmloser und banaler Ausspruch, die Geschichte unserer Zeit überdauert hat.

Und der Grund ist wahrscheinlich dieser:

Der Ausspruch stammte von einem der sieben grossen Weisen Griechenlands, dem Spartaner Chilon.

Es war genau diese Maxime auf der das grosse Sparta seine gesamte Kultur aufbaute und seinen ganzen Erfolg und Ruhm verdankte.

Und wenn schon ein ganzes Volk wie Sparta darauf vertraut hat und damit in die Geschichte eingegangen ist, so will ich doch wenigstens den Versuch wagen, mit weniger Produktivität mehr Impact zu schaffen.

Weil hoffentlich ein klein wenig besser.

 

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