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Männer sind beschränkt, Frauen übrigens auch.

Oct 26, 2021

Anfang der 90er Jahre machte die amerikanische Soziolinguistin Deborah Tannen eine bahnbrechende Entdeckung. Sie entdeckte nämlich zwei unterschiedliche Kommunikationssysteme, die unsere Verhaltens- und Kommunikationsweise erklärt.

Das eine System bezeichnete sie als «vertikale Kommunikation», die überwiegend bei Männern anzutreffen ist, aber nicht ausschliesslich. In dieser vertikalen Sprachwelt will man möglichst schnell den eigenen Rang und das eigene Revier innerhalb der Gruppe klären. Dieses System ist sehr schnell machtorientiert und oft erst in einem zweiten Schritt an Sachfragen interessiert. Inhaltlich und verbal differenziert, kann man hier deshalb erst dann werden, wenn Rang und Revier in Abgrenzung zu anderen Territorien geklärt sind.

Das andere System bezeichnete Deborah Tannen als «horizontale Kommunikation». In dieser Kommunikationsstruktur bewegen sich überwiegend Frauen, aber auch hier nicht ausschliesslich. In diesem System setzt man auf gleichwertigen Informationsaustausch und auf gegenseitige Gesichtswahrung. Anders als beim vertikalen System sieht man es hier nicht gerne, wenn sich jemand selber besonders herausstellt. Harmonische Gruppengefühle sind dabei besonders wichtig. In diesem System verhält man sich sehr schnell sach- und inhaltsorientiert. Rang- und Revierfragen spielen in diesem System hingegen überhaupt keine Rolle, im Gegenteil, man findet das sogar eher etwas hinterwäldlerisch. 

 

Die weibliche Empörung 

Es ist einer der häufigsten Vorwürfe, den ich zu hören bekomme. Nämlich, dass Frauen keine Lust darauf haben, sich wie Männer verhalten zu müssen, um im Beruf erfolgreich zu sein und sich Respekt zu verschaffen. Mit anderen Worten: Frauen verzichten sehr gerne darauf, bestimmter und arroganter aufzutreten, und ihre Statussymbole gezielt einzusetzen, wie das männliche Alpha-Tierchen so typischerweise tun. 

Wenn sich bei einer Frau das Gefühl einstellt, sie müsste ihre eigenen Werte verraten, um beruflich Erfolg zu haben, zeigt sie sich tendenziell empört. Auf den ersten Blick ist das auch verständlich und nachvollziehbar, dass Frauen so etwas doof finden. Schliesslich wollen sie ja nicht zurück ins «Tierreich».

Aber diese moralische Haltung hat geradezu etwas Naives. Denn auf den zweiten Blick ist ein Empörungsreflex keine wirkliche Hilfe. Wenn eine weibliche Führungskraft wieder einmal durch das aggressive Verhalten eines Alpha-Männchens in Bedrängnis gerät, so ist Moral kein taugliches Werkzeug, um ohne Schaden aus dieser Bredouille herauszukommen. Im Gegenteil. Es ist gerade dieser Empörungsreflex, der in vielen Fällen zu innerer Lähmung führt. Und in machen Situationen sogar traumatische Spuren hinterlässt.

Für viele Menschen – nicht nur Frauen – ist es wie ein Schlag ins Gesicht. Sie haben viele Jahre damit verbracht zu lernen, sich differenziert auszudrücken und empathisch zu kommunizieren. Da fällt es einem natürlich schwer zu ertragen, wenn man erleben muss, dass diese verbale Ausdrucksfähigkeit in gewissen Situationen absolut wirkungslos bleibt. Ja, man findet es sogar als persönliche Kränkung, plötzlich feststellen zu müssen, dass all das, was man in der Schule, auf der Uni und in der Ausbildung gelernt hat, nur in ganz bestimmten Situationen funktioniert, in anderen Fällen aber überhaupt nicht. Sich eingestehen zu müssen, dass gerade in den Fällen, wo es drauf ankommt, es ganz andere Kommunikationsmittel braucht als die eigene, gewohnte Gesprächsform mit logischen Zusammenhängen und nachvollziehbarer Argumentation, ist daher für viele eine Zumutung. 

 

Die männliche Naivität 

Es steckt aber mindestens genauso viel Naivität in einem vertikal agierenden, männlichen Vorgesetzten, der bei allen Leuten in seinem Umfeld ohne Zögern voraussetzt, dass sie so kommunizieren, wie er es selbst gewohnt ist.

Es überrascht daher auch nicht, dass ein Mann, der schon nur das Wort «Gender» hört, der Laden gleich runterfällt. Die meisten Männer haben hierfür eine mentale Schublade, in der sie alles verschwinden lassen, was nach diesem Wort folgt. 

Und trotzdem, der Anteil der Männer, der die Frauen ganz bewusst «draussenhalten» will, ist eher gering.

Viele Männer sind sehr einfältig gestrickt und nur naiv in ihrem Verhalten. Sie spielen einfach ihre Spielchen. Genauer gesagt, sie machen ihr Rangspiel und sehen dann, dass die Frauen dabei verlieren. Was ja logisch ist, weil es nicht ihr Spiel ist. Die Männer übersetzen das dann aber ganz automatisch mit: Die Frau hat’s nicht drauf. Und zu dieser Schlussfolgerung kommen sie nicht deswegen, weil sie mit Gender-Themen grundsätzlich nichts anzufangen wissen, sondern sie tun das vor allem deshalb, weil sie keine «Fremdsprachenkenntnisse» im horizontalen Kommunikationssystem haben.

Das ist dann die bekannte doppelte Inkompetenz: Man(n) weiss etwas nicht und weiss auch nicht, dass man(n) es nicht weiss.

 

Die Fremdsprache erlernen 

Jedes Geschlecht hält die eigenen Kommunikationsweisen für selbstverständlich. Daher ist jedes der beiden Geschlechter natürlich auf seine eigene Weise unschuldig naiv. 

Viele Männer sind dahingehend beschränkt, weil sie unreflektiert davon ausgehen, dass es nur eine einzige Kommunikationsweise gibt, nämlich die eines Ballermanns. Ganz im Sinne eines Revolverhelden à la Clint Eastwood.

Viele Frauen verhalten sich aber genauso beschränkt, obwohl sie von sich selber überzeugt sind,  grundsätzlich kommunikationsstark zu sein. Sie gehen ihrerseits nämlich davon aus, dass ihre geschlechtliche Kommunikationsweise, die einzige auf Erden sei. Ganz im Sinne von «Lass uns beste Freundinnen sein.» 

Es ist viel hilfreicher, das gegenteiligen System, also das System dem wir selber nicht zugehörig sind, nicht als etwas Feindliches zu sehen, das es zu bekämpfen gilt, sondern lediglich als Fremdsprache zu erachten. Eine Fremdsprache, derer ich mich bedienen kann, wenn die Situation es erfordert. 

Eine sprachbewusste Person sollte in der Lage sein zu erkennen und zu verstehen, in welchem Rahmen gerade kommuniziert wird, und sich dann darauf einzustellen – frei von Moral. Und das aus einem einzigen Grund: weil es funktioniert!

Dr. Peter Modler, den ich persönlich sehr schätze, schreibt in seinem Bestseller-Buch «Das Arroganz-Prinzip» folgendes dazu:

Der erste Schritt, eine Fremdsprache zu lernen, besteht darin, sich klarzumachen, dass es sich wirklich um eine fremde Sprache handelt. Das ist durchaus kein selbstverständlicher Schritt, weil unser Gehirn unentwegt nach Ähnlichkeiten sucht und uns damit manchmal in Teufels Küche bringt.

 

Den Switch im richtigen Moment vollziehen können 

Jede Fremdsprache erscheint uns also vor allem dort fremd, wo sie keine Ähnlichkeiten mit der unsrigen aufweist. Das erschwert dieses Umdenken ein wenig, macht es aber deswegen nicht unmöglich.

Beide Sprachsysteme sind kompliziert. Beide Seiten sind aber auch einfach. Was diese Zweisprachigkeit so schwer macht für viele, liegt wohl eher daran, dass es leider immer schwieriger geworden ist, sich auf diese beide Sprachsysteme einzulassen, ohne dabei geschlechtliche Wertungen in den Vordergrund rücken zu lassen. Das ist nicht nur schade, sondern in gewissen Fällen sogar tragisch. 

Keine der beiden Seiten ist besser als die andere oder gar schlechter. Sie sind anders. Sie sind zwei Fremdsprachen. Und je eher wir bereit sind, diesen sprachlichen Switch zu vollziehen, wenn die Situation es von uns verlangt, umso erfolgreicher sind wir im Umgang miteinander, umso produktiver werden wir. 

Dieser Switch sollte genauso nüchtern und emotionslos vollzogen werden, wie wenn ich mich in einem fremden Land aufhalte, in dem eine andere Landessprache gesprochen wird als jene, die mir eigen ist. Will ich in diesem fremden Land jemanden nach dem Weg fragen, so tue ich das ja auch nicht in meiner gewohnten Sprache, sondern ich spreche die Sprache, der dort Ansässigen. Das tue ich selbstverständlich ohne zu werten oder zu verurteilen. Und ich fühle mich weder gedemütigt noch gekränkt, dass ich jetzt in ein anderes Sprachsystem wechseln musste. Es war eine einfache Transaktion. Weil es ist, was es ist: eine andere Sprache.

 

Das Problem ist weitaus grösser

Viele Frauen empfinden einen solch pragmatischen Kommunikationsansatz einerseits sehr hilfreich, andererseits ist ihnen das nicht genug. Weil der Anteil von Frauen in Führungspositionen nach wie vor skandalös niedrig ist. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch wirtschaftlich ungesund. Das muss besser werden.

Dieses Problem ist nicht alleine durch unsere Kommunikationsweise innerhalb dieser beiden erwähnten Systeme zu lösen, sondern muss vor allem auch strukturell und systemisch angegangen werden. 

Aber dort wo eine vertikale auf eine horizontale Sprachkultur trifft, nämlich in unserem Alltag, bei der Arbeit, im Büro, in der Werkstatt, im Spital, in der Fabrik, im Privaten usw., hat jeder von uns seinen eigenen, ganz persönlichen Spielraum, um dort möglichst wertfrei, effektiv und ohne moralische Empörung sich Gehör zu verschaffen. Dort all die Interessen durchzusetzen, die zu einem möglichst sinnvollen Ergebnis im jeweiligen Kontext führen mögen.

Bis ein solcher Strukturwandel in der Gesellschaft vollzogen und eine grössere Gleichberechtigung zu verzeichnen ist, biete ich hierzu meinen kleinen und bescheidenen Beitrag als Trainer und Coach, der sich darauf konzentriert, Frauen und Männern, sich in diesen beiden Kommunikationswelten besser und effektiver zurecht zu finden.

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