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Achtung! Narzissten im Vormarsch.

Oct 27, 2021

Unter dem Titel «Die Jungbullen kommen» stellte der Harvard Business Manager (Ausgabe 05/2021) die bislang grösste empirische Einzelstudie über Narzissmus weltweit vor. Der Bericht hält für uns eine erschreckende Erkenntnis bereit:

« …Narzissmus nimmt in der jüngeren Generation enorm zu, und zwar sehr viel stärker, als wir es vermutet hatten. Junge Menschen weisen die höchsten narzisstischen Werte aller Altersgruppen auf, höher als die Generationen vor ihnen. Der Trend betrifft Männer und Frauen.» (HBM+ 05/2021)


Warum sollte Dich das interessieren?

Narzisstische Menschen verhalten sich rücksichtslos, sind hochgradig manipulativ und beanspruchen sämtliche Erfolge für sich. Für andere bleibt da nicht viel Platz zum Atmen. Der Preis für ein solches Verhalten ist hoch: Es geht immer auf Kosten der Mitarbeitenden und in letzter Konsequenz natürlich auch auf die Kosten des gesamten Unternehmens, für das diese Narzissten tätig sind.

Narzissten geht es im Grunde auch nur um eines, nämlich Macht und Ansehen zu erlangen. Allerdings geschieht das in der Regel eher durch Selbstüberschätzung als durch tatsächliche Leistung.

Das sind Bad News. Vor allem für jene, die doch so sehnlichst darauf gewartet haben, dass die gegenwärtige Generation elitärer und patriarchaler «alter Säcke» endlich bald mal abtritt und ausstirbt. Gelten doch viele dieser bestehender Führungskräfte ja auch schon als egozentrische Narzissten. Es muss daher ernüchternd sein, mitanzusehen, dass sich die Situation in dieser Hinsicht nicht zu verbessern, sondern eher zu verschlechtern scheint. 

« … Die empirische Forschung geht verstärkt davon aus, dass die junge Generation der Gegenwart signifikant narzisstischer ist als vorherige Generationen.» (HBM+ 05/2021)

In diesem Bericht ist nicht nur von Männern die Rede, auch junge Frauen weisen einen stärkeren Hang zum Narzissmus. Dennoch haben die Männer auch hier mal wieder die Nase vorn. 


Das Machtspiel lernen

Wir können über New Work, flache Hierarchien, Duz-Kultur und Frauenquote reden so viel wir wollen, eines wird dabei sehr oft einfach ignoriert: Die menschliche DNA. Das menschliche Bedürfnis nach Macht, Anerkennung und Status. Und das ist bei den Männern nun mal stärker ausgeprägt als bei Frauen. Frauen werden auch in Zukunft mit einer vertikalen Kommunikationskultur konfrontiert sein. 

Wie es der Zufall so will, während ich gerade diese Zeilen schreibe, kommt folgende Schlagzeile rein, die ich online beim bereits erwähnten Manager Magazin entnehme:

«Airbus-Chef Guillaume Faury will glänzen – und allein im Rampenlicht stehen. Deshalb serviert er seine prominentesten Managerinnen ab. Nach Ex-Airbus-Managerin Grazia Vittadini folgt jetzt der nächste spektakuläre Abgang.» (Manager Magazin, 27.10.2021)

Und weiter schreibt das Manager Magazin zu diesem Fall:

«… Faury scheint entschlossen, den Konzern zu zentralisieren und alle Macht an sich zu ziehen. Dabei stören ihn augenscheinlich Führungskräfte, die eine eigene Meinung vertreten und – mindestens ebenso schlimm – sich selbstbewusst der Öffentlichkeit stellen. … Vittadini genoss schon fast Starstatus – offensichtlich zum Missfallen Faurys, der neben der charismatischen Managerin blass aussah.» (Manager Magazin, 27.10.2021)

Macht, Status und Narzissmus gehen Hand in Hand. Diese Grazia Vittadini, von der hier in dieser Schlagzeile die Rede ist, hat anscheinend gegen das 1. Gesetz der Macht verstossen, welches Robert Greene bereits in seinem damaligen provokativen Bestseller «Power» festhielt: Stelle nie den Meister in den Schatten.

Die psychologischen Gesetze der Macht, die das Verhalten der heutigen und vorwiegend männlichen Führungselite prägt, sind dieselben Gesetze, die schon vor Tausenden von Jahren galten von den ersten chinesischen Kaiser-Dynastien, den römischen Imperien bis hin zu Donald Trump. Diese Gesetze sind keine Geheimnisse. Sie liegen offen da, für all jene, die auch bereit sind, sie nicht unter den Teppich zu wischen und unter dem Deckmantel «modernen Denkens» naiv ausblenden. 

Das, was von vielen gerne mal als «hinterwäldlerisches» Verhalten gebrandmarkt wird, ist nun mal das, was die Wirtschaft und die Welt regiert. Auch wenn wir heute Elektroautos fahren, den Mars besiedeln werden, so sollte dieser moderne Fortschritt nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir weiterhin bleiben, was wir sind: Biologische Wesen, die sich durch Macht, Narzissmus und Status korrumpieren lassen, und zwar auf sämtlichen Ebenen menschlicher Hierarchien.

Es werden weiterhin vor allem die weiblichen Führungskräfte sein, die unter dieser nachkommenden Generation junger narzisstischer Führungselite leiden werden. Es wird bloss eine Neuauflage des Spiels sein. Die Rollen werden ausgetauscht. Das Spiel bleibt das Gleiche.

 

Gendern ist für viele Firmen bloss Marketing

Obschon Frauen diese Machtspielchen zu den Bedingungen der Männer nicht gerne spielen wollen, so sind sie dennoch gut damit beraten, sich mit diesen kommunikativen, vertikalen Strategien und Handlungsmustern ernsthaft auseinanderzusetzen. Nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch um das Interesse des weiblichen Kollektivs stärker voranzutreiben. Ganz nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein.

Wie ich in meinem letzten Blog «Männer sind beschränkt, Frauen übrigens auch» bereits  schrieb: Das Problem ist weitaus komplexerer Natur, als das man es über vertikale- und horizontale Kommunikationsysteme alleine lösen könnte.

Dennoch ist es ein entscheidender Weg, sich mit diesen Kommunikationssystemen auseinanderzusetzen. Weil obwohl in Firmen und Organisationen die Bekenntnisse zur Gender-Gerechtigkeit zum guten Ton gehören, so ist vieles davon bloss Marketing, das sich auf Hochglanzmagazinen und Webseiten gut verkaufen lässt. Schaut man etwas genauer hin, so sieht die Sachlage meist etwas anders aus. Das Geschlechter-Thema wird tatsächlich nur selten als echter wirtschaftlicher bzw. als Management-Faktor gesehen. So manches, was da vorangetrieben wird, geschieht sehr oft der sozialen Erwünschtheit wegen.

 

Ein Hoffnungsschimmer?

Narzissten sind im Grunde genommen Vampire. Haben sie einmal Blut geleckt, wird ihr Verlangen unstillbar. Sie wollen mehr, unaufhörlich mehr. Weniger dramatisch formuliert, heisst das: Je grösser die Macht, umso narzisstischer das Verhalten. 

Der eingangs erwähnte Bericht aus dem Harvard Business Manager bietet Lösungsansätze und liefert einige Beispiele von Firmen, die erfolgreich Narzissten aus ihrem Unternehmen fern halten. Das lässt hoffen. Daran führt wohl kein Weg vorbei. Will man tatsächlich eine Kultur schaffen, die frei von Narzissten bleibt, dann muss man Strukturen entwickeln, die helfen, solche Narzissten bereits im Rekrutierungsprozess zu entlarven und keinen Nährboden für solche Individuen bieten.

Für all die Fälle, wo solche Menschen dennoch ein Schlupfloch finden oder diese Menschen bereits eine gewisse Machtposition ausnutzen unter denen man zu leiden hat, sollte man sich dafür wappnen. Denn Macht ist ein soziales Spiel. Um es zu erlernen und zu meistern, musst Du die Fähigkeit entwickeln, andere Menschen zu lesen und zu verstehen.

Nietzsche schrieb einmal: 

«Der Wert einer Sache liegt mitunter nicht in dem, was man mit ihr erreicht, sondern in dem, was es Dich möglicherweise kostet.» 

Vielleicht wirst Du Deine Ziele erreichen. Vielleicht wirst Du schon bald zur weiblichen Führungselite einer neuer Generation werden. Die Frage ist nur: zu welchem Preis? 

Viele Gelegenheiten bekommt man im Leben nicht. Und bei den wenigen, die sich Dir anbieten werden, gilt es dann sich zu entscheiden, ob Du bereit bist, mit fragwürdigen Menschen zu kollaborieren oder Dich gegen sie zur Wehr setzt.

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